Medien- Sendung 37grad

37 Grad

37 Grad - "Ein Junge namens Nina - Jugendliche im falschen Körper"

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MPG-Datei, © ZDF & Gugel + Eberle Produktion
Dies ist nur der Teil über mich um die Datei klein zu halten.
Der Fall über Nina wurde aus der Datei entfernt. 


Von Januar 2003 bis Februar 2004 haben Katharina Gugel und Ulf Eberle mit mir zusammen eine Sendung gemacht, für die Sendereihe "37 Grad" beim ZDF.

 

37 GradIch kam daran durch einen Aufruf im Internet, wo eben Ulf jugendliche Transsexuelle gesucht hatte, um eine 30-minütige Aufklärungssendung für die Sendereihe "37 Grad" zu machen.

Ich meldete mich und prompt gingen die Filmaufnahmen 2 Wochen später los. Von Besuchen bei meinem Endokrinologen (wurde rausgeschnitten), über Gespräche mit der Familie bis hin zu meinem ersten Termin bei Dr. Poland wurde so ziemlich alles gefilmt. 
Es war sehr interessant diese Aufnahmen zu machen. Zu dem Zeitpunkt hatte ich weder Hormone noch meine Gutachten oder sonst irgendwelche Fortschritte. Und alles sah recht aussichtslos aus.

Unsere letzten Drehtage waren Anfang Februar 2004. Der Zeitdruck war enorm und wir haben oftmals 11 Stunden am Tag gedreht. Wir hatten auch ein Gespräch mit dem Direktor und dem Co-Direktor meiner damaligen Schule. Dies fiel so drastisch aus - speziell wegen Kommentaren des Direx - dass ich einige Zeit richtig down war. Der Co-Direktor hingegen half mir noch lange danach und ist auch damals der Einzige gewesen, der mir im Rahmen der Schule geholfen hatte oder es wenigstens versuchte.

37 GradEs fielen sehr sehr viele Szenen weg, die meines Erachtens nach besser gewesen wären, aber das ist weniger tragisch. Wir hatten etliche Stunden Drehmaterial und letztlich kamen knapp 19 Minuten dabei raus. Die restliche Zeit ging an Nina, einer jungen transsexuellen Frau aus Holland. Daher auch der Sendungstitel "Ein Junge namens Nina - Jugendliche im falschen Körper". Der Titel wurde in der Sendung eingeblendet als gerade Nina zu sehen war.

Die Erfahrung war auf alle Fälle sehr wichtig für mich. Ich will und wollte mich mit der Sendung nicht wichtig machen. Mir ging es um die Aufklärung. Die Sendung hatte letztlich auch spitzen Einschaltquoten und gehört zu den erfolgreichsten der Sendereihe überhaupt.

Der erste Ausstrahlungstermin war am 27.04.2004 im ZDF. Wir hatten über 11 % Einschaltquoten an dem Abend. Wiederholt wurde es dann am 06.05.2004 auf 3sat. Und dann kam die Sendung nochmals am 25.06.2004 auf Phoenix. Die Sendung war sehr erfolgreich und seitdem sind auch die pubertätsverzögernden Hormone in Deutschland im Einsatz, was vorher undenkbar war. Und auch ist das Thema Trans* immer öfter in den Medien vertreten!

37 GradHier ein Text von Ulf Eberle über die Dreharbeiten und die Vorbereitungen:

"Ein gutes Jahr lang wussten wir nicht, ob wir die Dreharbeiten zu diesem Film jemals würden beenden können. Schwierig genug war es, transsexuelle Jugendliche zu finden, die bereit waren, sich mit uns (ohne Kamera) zu treffen. Aber als fast unmöglich erschien es uns, Jugendliche zu finden, die auch vor der Kamera Einblick in ihr Leben geben würden. Eine Absage reihte sich an die nächste.

Und die Gründe waren nur zu gut nachvollziehbar: Angst vor Öffentlichkeit, vor noch mehr dummen Sprüchen, verständnislosen Blicken. Ein junger Mann aus München etwa, der seit drei Jahren als Frau lebte, und die wir jetzt mal Tanja nennen, hätte uns gerne erzählt von den Problemen, die er in der Schule, mit seinem Eltern und verschiedenen Psychologen hatte. Aber Tanja war gerade umgezogen und hatte ein neues Leben als Frau begonnen. Kaum Jemand in der Umgebung wusste, dass die hübsche junge Frau eigentlich noch immer ein Mann war.

37 Grad"Zum ersten Mal seit Jahren habe ich wieder das Gefühl, ein Mensch zu sein. Vorher fühlte ich mich eher wie ein Monster," sagte uns Tanja. Und lieber wollte sie weiter mit der Lüge nach außen leben, als durch unseren Film ihre Geschichte öffentlich zu machen. Einige Selbsthilfeorganisationen von Transgender-Menschen (Viele lehnen den Begriff Transsexualität ab, da es um viel mehr als nur die Sexualität geht.) baten uns, das Filmprojekt zu stoppen. Sie sahen die Gefahr, dass sich junge Menschen vor die Kamera trauten, die es nach dem Film bereuen würden. Andere Gruppen unterstützten uns, weil sie sich durch mehr Öffentlichkeit mehr Akzeptanz erhofften.

Zu diesem Zeitpunkt hatten wir bereits Lyle kennen gelernt. Er war fest entschlossen, uns in sein Leben Einblick zu gewähren, auch seine Eltern waren einverstanden. Lyle sagte, er wolle uns von seinen Problemen erzählen, damit es andere vielleicht einmal leichter hätten als er. Und dann trafen wir Nina. Ein zauberhaftes Wesen, das einen zweifeln lässt an dem gelernten Geschlechterverständnis. So kann ein Junge aussehen? Das soll kein Mädchen sein? Nina und ihre Familie zeigten uns mit einer - vielleicht typisch holländischen - Selbstverständlichkeit erstmals in der langen Recherche, dass das Thema Transsexualität nicht zwangsläufig ein problembeladenes sein muss.

37 GradNina war vor ein paar Jahren schon einmal vom holländischen Fernsehen porträtiert worden - und hatte nach Ausstrahlung des Filmes nur gute Erfahrungen gemacht. Plötzlich wussten und verstanden viele Menschen das, was sie sonst nur mühsam erklären konnte. Nina und ihre Mutter wollten es nicht glauben, dass es in Deutschland so viele junge Transsexuelle gibt, die ausgegrenzt werden. Ganz anders als Nina, die überall voll akzeptiert ist, als Mädchen, als Mensch. Deshalb haben auch sie unser Filmprojekt unterstützt - um Mut zu machen und aufzuklären. So ist der Film also doch noch zustande gekommen. Und wir hoffen sehr, dass die 30 Minuten helfen, Vorurteile in Verständnis zu verwandeln. Das Verständnis etwa, dass Nina und Lyle sich dieses Leben nicht ausgesucht haben."

In einigen Universitäten und Schulen wird die Doku noch heute im Filmarchiv angeboten und im Rahmen von Seminaren gezeigt, wie z.B. in der staatl. Schule für Gesundheitspflege in Hamburg.
Die Programmhinweise zur Sendung kann ich gar nicht mehr alle nachvollziehen, es gab etliche in Foren, Websites, auf Mailinglisten und und und. Es hatte wirklich riesige Wellen geschlagen.