Die Welt im Ausnahmezustand - meine Gedanken

Gespeichert von James am Mo, 03/23/2020 - 13:00

Kein anderes Thema beherrscht die Nachrichten als auch die ganz normalen Gespräche der Menschen derzeit so sehr wie das Thema Corona. Ich will gar nicht darauf eingehen, wie dramatisch die Zahlen sind, die Einschränkungen für uns alle oder wie unsicher nun unser aller Zukunft in allen Bereichen des Lebens ist.

Ich möchte stattdessen auf meine ganz persönlichen Gedanken eingehen, so wie es viele von uns derzeit sicher tun. Ich versuche dies möglichst strukturiert zu tun, weiß aber ehrlich gesagt gerade beim Schreiben nicht, wie lang dieser Text wird, noch wohin er genau führt. Gerne lade ich euch Leser*innen aber zum Diskurs ein. Teilt eure Gedanken, eure Befürchtungen, Hoffnungen, Meinungen. 

 

Seit einigen Tagen hält uns ein Virus in Schach, dessen Ursprung scheinbar in einer kleinen Provinz in China liegt. Oder eher wurde es dort das erste Mal entdeckt, indem zahlreiche Menschen erkrankten.
Man kann durchaus trefflich darüber streiten, ob unsere Volksvertreter weltweit richtig reagiert haben oder ob die getroffenen Maßnahmen rechtzeitig oder zu spät kamen.
Fakt ist, und darüber sind wir uns sicher alle einig, dass es so eine Pandemie in dieser Auswirkung noch nie gegeben hat. Es führt uns alle doch sehr deutlich vor Augen, wie verwundbar der Mensch ist.

 

Ich gebe zu, ganz Beginn der ersten Meldungen zu den COVID-19-Erkrankungen fand ich manche der Mitteilungen sehr reißerisch und gar übertrieben. Das gebe ich heue offen zu und ich wette auch, dass ich damit nicht allein bin.
Was nun aber gerade seit etwa 14 Tagen auch hier in unserem Land stattfindet, das hat auch meine Meinung und vor allem persönlichen Empfindungen deutlich geändert.  
Hamsterkäufe, Diebstahl von Schutzausrüstung, Desinfektionsmittel aus Arztpraxen, Krankenhäusern und gar Rettungswagen, Ausgangsbeschränkungen, fast menschenleere Straßen zu Zeiten, in denen man sonst kaum einen Fuß vor den anderen setzen kann, und und und. All das zeigt doch die Verunsicherung und Ernsthaftigkeit der Lage. 
Ich persönliche halte von den Hamsterkäufen überhaupt nichts, sie sind schlicht Blödsinn. Ist man nicht gerade in häuslicher Quarantäne, hat es niemand nötig wie blöde Lebensmittel oder Klopapier (?!) zu horten, als gäbe es ab morgen nichts mehr.  Es ist höchst unfair den anderen Menschen gegenüber, unsolidarisch, wie unsere Regierungsvertreter treffend sagen.
Aber leider zeigt eine Krise wie diese auch, wie egoistisch viele Menschen handeln. Oder auch wie dämlich, indem man sich an die vorübergehenden Beschränkungen nicht hält. Stichwort "Coronapartys" oder auch in kleinerem Rahmen Treffen in Parks zum gemeinsamen Grillen. Mir fallen dazu leider keine nett formulierten Worte ein, daher klar heraus: Vollidioten.
Jeder Einzelne, der jetzt nicht die Beschränkungen einhält, sorgt schlimmstenfalls dafür, dass genau diese Beschränkungen länger gelten müssen als dann, wenn sich alle direkt daran halten würden.

 

Neumarkt01Es sind verdammt beängstigende Zeiten und ich hatte ein für mich deutliches Schlüsselereignis am Donnerstag, 19.03.2020. Gesundheitsbedingt war ich zu diesem Zeitpunkt bereits etwa 7 Tagen Zuhause - nein, nicht wegen Corona - und war entsprechend das erste Mal in der Innenstadt Kölns, um einen meiner notwendigen Arzttermine wahr zu nehmen.
Donnerstags, 16 Uhr. Neumarkt02Normalerweise ist zu dem Zeitpunkt die Innenstadt gerappelt voll mit Menschen. Doch bereits die Fahrt mit der Stadtbahn war mit den geschätzt nur 25 Leuten schon merkwürdig. Das Ganze wurde getoppt, als ich aus der Bahn stieg und dann an einem der sonst belebtesten Plätze der Stadt kam.
Es war fast komplett menschenleer. In der Arztpraxis, in welche ich musste, trugen alle Mitarbeiter*innen Schutzmasken, an der Anmeldung hängt Plexiglas zwischen Patienten und MFAs, um den direkten Kontakt möglichst zu vermeiden usw. Die Behandlung lief recht normal ab, abgesehen eben von der Schutzmaske und dem etwas größeren Abstand, soweit möglich.
Der Heimweg war dann ebenso "einsam", im Vergleich zu dem Normalzustand. Kurz gesagt, es war beängstigend. Ich hatte erstmals wirklich selbst erlebt, wie sich innerhalb einer Woche das menschliche Zusammenleben fast vollständig geändert hat. 

 

Ab morgen, 24.03.2020, bin ich dann wieder im Job. Also täglich per Stadtbahn ins Büro fahren und dafür sorgen, dass die Menschen mit keinem oder zu geringem Einkommen ihr Geld erhalten. Mein Job ist derzeit sicher, mehr als sicher. Im Vergleich zu den Jobs von vielen Millionen anderer Menschen weltweit.
So arbeitet meine Frau ab sofort beispielsweise auf Kurzarbeit, ebenso wie mein Bruder. Und das obwohl erstere sogar in einer Arztpraxis arbeitet, aber eben bei einem Augenarzt. Dort wo sonst tägliche Dutzende Menschen zur Behandlung erscheinen, verkleinert sich die Behandlungszahl auf ein Minimum. Somit werden nicht alle Medizinischen Fachangestellten täglich benötigt und Kurzarbeit ist angesagt.
Andere Branchen sind von 100 auf 0, beispielsweise Tourismus, Einzelhandel, etc etc etc.

 

Es sind beängstigende Zeiten. Ich wünsche uns allen, dass wir das möglichst unbeschadet überstehen. 
Allen Berufstätigen in den so dringend gebrauchten Branchen - seien es in medizinischen Bereichen Tätige (Haupt- wie Ehrenamtliche), Polizei, Ordnungsämter, Feuerwehren, die Fahrer*innen im ÖPNV, alle, die für die Grundversorgung mit Lebensmitteln und Hygieneartikeln im Einzelhandel zu tun haben, die damit verbundenen Logistiker und Zuliefererfirmen, die Abfallwirtschaftsbetriebe, die Entscheidungsträger in Kommunen, Ländern und Bund, aber eben auch alle Kolleg*innen der Agenturen für Arbeit als auch der Jobcenter. Sie alle halten gerade den gesamten Laden Deutschland am Laufen. Ich hoffe, dass die Solidarität unter uns Menschen noch stärker wird und jeder dem Anderen zu helfen bereit ist im Rahmen der eigenen Möglichkeiten.

 

Und allen, die nicht zwingend raus müssen, BLEIBT ZUHAUSE!